Barmherzigkeitskirche: Basílica Nuestra Señora de la Merced

Basílica Nuestra Señora de la Merced: ein barockes Schmuckstück in Limas Altstadt
Die Barmherzigkeitskirche liegt in der historischen Altstadt Limas – ungefähr auf halber Strecke zwischen den beiden wichtigsten Plätzen: der Plaza Mayor und der Plaza de San Martín. Gegründet wurde sie 1535 вместе mit dem angrenzenden Kloster – im selben Jahr, in dem auch Lima entstand.
Bemerkenswert: Das Grundstück gehörte bereits vor der Stadtgründung dem Mercedarier-Orden. Die Ordensgemeinschaft hatte sich schon ein Jahr vor der Ankunft Francisco Pizarros im fruchtbaren Rímac-Tal niedergelassen, um unter der indigenen Bevölkerung zu missionieren. Das Tal war strategisch günstig: Es gab bereits Siedlungen, und vom Hafen aus war die Gegend vergleichsweise leicht erreichbar – ohne den beschwerlichen Weg über die Anden. Heute steht die Basilika mitten in der Altstadt, an einem lebhaften Abschnitt der Jirón de la Unión, umgeben von Gebäuden, die es zu ihren Anfängen noch nicht gab.
Architektonische Besonderheiten
Wie viele historische Bauten in Lima überstand auch die Basílica Nuestra Señora de la Merced über die Jahrhunderte hinweg mehrere Erdbeben und Brände. Bereits 1591 erhielt die Fassade ihre prägende Form, wurde jedoch immer wieder beschädigt und schließlich 1939 rekonstruiert. In der heutigen Ausführung – eine Mischung aus Lehmziegeln und Backstein – präsentiert sich die Kirche als eindrucksvolles Zeugnis kolonialer Baukunst.
Besonders ins Auge fällt das kunstvoll gearbeitete Portal im Stil des spanischen Barock. Es hebt sich deutlich vom restlichen Baukörper ab und besteht aus panamaischem Granit – einem Material, das einst als Ballast in Schiffsrümpfen diente und so über den Hafen von Callao nach Lima gelangte. Über dem Eingang thront auf einem Balkon die Jungfrau der Barmherzigkeit.
Im Laufe der Zeit wurde die Kirche mehrfach erweitert: Seitenschiffe und große Teile der Innendekoration entstanden erst nach und nach. Auffällig ist zudem, dass die Basilika nur einen Glockenturm besitzt. Ein zweiter war geplant, wurde jedoch durch politische Streitigkeiten verhindert – wodurch das Gebäude von außen leicht asymmetrisch wirkt. Ursprünglich sollte der Turm sogar der höchste der Stadt werden, was aufgrund der Erdbebengefahr nicht umgesetzt wurde. Die Glocken – der Turm wurde zuletzt 1998 restauriert – erklingen traditionell vor allem im September, dem Monat der Schutzpatronin der Mercedarier.
Die Fassade
Nach Erdbeben wurden Reparaturen und Rekonstruktionen stets im Stil ihrer Zeit vorgenommen. Bei der Basílica Nuestra Señora de la Merced bedeutet das: Das Portal wurde im 20. Jahrhundert nach den Plänen von 1591 restauriert. Die rosa-weiß gehaltene Front wirkt klar gegliedert, wird jedoch vom üppig verzierten Portal dominiert – dem unverkennbaren Markenzeichen der Kirche.
Der Stil des Portals heißt Churriguerismus, benannt nach zwei spanischen Brüdern. Typisch dafür: Säulen, Bögen und tragende Elemente treten hinter einer Fülle an Ornamenten zurück. Das Ergebnis ist eine bewusst verspielte, fast überbordende Wirkung – Barock in seiner dekorativsten Form.
Das Kircheninnere der Basílica Nuestra Señora de la Merced
Im Inneren wirkt die Kirche eher dunkel – wuchtige Pfeiler und schwere Gewölbe bestimmen den Raum. Eine gezielt gesetzte Beleuchtung gleicht das jedoch aus: So kommen die Goldverzierungen am Hauptaltar und an den Seitenaltären besonders stimmungsvoll zur Geltung.
In der Basilika befinden sich zudem bedeutende Grabstätten: das Grab des Klostergründers Fray Miguel de Orenes sowie in einer Nische das Grab Francisco de Becerras, der den Mercedarier-Orden schon vor der Kirchengründung finanziell unterstützte.
Üppiger Barock
Über die Jahrhunderte wurde die Basilika umgebaut, erweitert und ausgeschmückt. Tonnengewölbe verleihen dem Innenraum eine gewisse Schwere – aufgelockert durch raffiniert platzierte Fenster und Licht, das die Schmuckelemente hervorhebt.
In Mustern an Wänden und Böden zeigt sich maurischer Einfluss. Gemälde, Skulpturen und Altäre dagegen sind Barock pur: kräftige Farben, feuervergoldete salomonische Säulen und reiches Zierwerk, besonders an den Seitenaltären. Die Feuervergoldung machte die Ornamente nicht nur glänzend, sondern auch langlebig.
Dass die Spanier großen Wert auf hochwertige Ausstattung legten, zeigen auch die sevillanischen Fliesen im angrenzenden Kloster. Wer sich für spanischen Barock interessiert – oder einfach ein Paradebeispiel kolonialer Repräsentationsarchitektur sehen möchte – sollte die Basílica Nuestra Señora de la Merced nicht verpassen.
Basílica Nuestra Señora de la Merced
Adresse: Jirón de la Unión 621, Cercado de Lima 15001
Baustil: Barock
Erbauer: Pater Pedro Galeano und Andrés de Espinoza
Architekt: Óscar Ramírez Martín
Öffnungszeiten:
Montag–Sonntag 08:00–13:00 und 16:00–20:00
Das angrenzende Kloster ist ebenfalls zur Besichtigung geöffnet. Dort befindet sich eine Gemäldesammlung, die das Leben des Klostergründers darstellt.



