Perus Geschichte

Zeitreise durch die Geschichte Perus
Peru liegt an der Westküste Südamerikas – ein Land, das nicht nur landschaftlich beeindruckt, sondern auch eine der faszinierendsten Geschichten des Kontinents erzählt. In den nächsten Zeilen machen wir eine kleine Zeitreise: von den ersten Spuren menschlichen Lebens bis zu den prägenden Machtkämpfen der Kolonialzeit – und werfen dabei auch einen Blick auf jene Figuren, die in Perus Geschichte ihre Finger mit im Spiel hatten.
Höhlenmalereien und archäologische Funde aus Regionen rund um Ayacucho sowie aus den Lauricocha-Höhlen deuten darauf hin, dass zwischen etwa 20.000 und 10.000 v. Chr. die ersten Menschen in das Gebiet des heutigen Peru gelangten. Über viele Generationen hinweg wanderten Gruppen in den amerikanischen Kontinent ein – und irgendwann wurde auch Peru zu Heimat.
Als älteste Stadt auf dem amerikanischen Kontinent gilt die Siedlung Caral. Sie liegt zwar weit entfernt von Ayacucho, doch ihr Fundament reicht ebenso tief in die Zeit. Ausgrabungen legten Wohnbereiche für rund 3.000 Menschen frei, dazu Zeremonialplätze, Amphitheater und Tempelanlagen. Selbst Handelsbeziehungen zur Küste und in die Amazonasgebiete lassen sich heute nachzeichnen. Mit etwas Fantasie entsteht ein erstaunlich lebendiges Bild davon, wie organisiert das Leben schon damals gewesen sein muss.
Peru: Kulinarische und kulturelle Vielfalt seit Anbeginn

Unsere Zeitreise führt uns zurück bis etwa 12.000 v. Chr. – in eine Zeit, in der Menschen im Gebiet des heutigen Peru zunächst als Jäger und Sammler lebten. Erst nach und nach entstanden feste Siedlungen: Ackerbau und Viehzucht machten sesshaft, das Wissen über Böden, Wasser und Jahreszeiten wuchs.
Schon früh tauchen Pflanzen auf, die heute aus der peruanischen Küche nicht wegzudenken sind: Mais, Erdnüsse, Maniok und Kürbisse. Gleichzeitig entwickelten die Menschen Techniken zur künstlichen Bewässerung – ein Schlüssel, um auch in trockeneren Regionen stabile Ernten zu ermöglichen und Zivilisation dauerhaft wachsen zu lassen.
Bis zur Ankunft der Spanier entstanden im Land unzählige Kulturen mit eigenen Bräuchen, Götterwelten und Lebensformen – etwa die Moche, die Nazca, die Wari und später die Inka. Jede dieser Kulturen verdient ihre eigene Bühne. Deshalb beleuchten wir sie an anderer Stelle ausführlicher – und springen hier weiter zu einem einschneidenden Kapitel der Geschichte.
Francisco Pizarro und die Kolonialzeit

Machen wir einen Zeitsprung in ein dunkles, aber bis heute prägendes Kapitel: die Eroberung durch die Spanier. Unter der Führung von Francisco Pizarro erreichte eine kleine Gruppe Abenteurer und Soldaten die Küste – und setzte alles daran, das Reich der Inka zu unterwerfen. Ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Respekt vor einer Welt, die sie kaum verstanden.
Im Jahr 1532 wird der Inka-Herrscher Atahualpa gefangen genommen. Für seine Freilassung verlangen die Spanier einen ganzen Raum voller Gold und Silber. Die Untertanen erfüllen die Forderung und bringen in kurzer Zeit unvorstellbare Mengen an Edelmetall zusammen – Materialien, die für die Inka weniger als „Reichtum“, sondern vor allem als symbolisch aufgeladene Güter galten. Doch statt Atahualpa freizulassen, lässt Pizarro ihn am 29. August 1533 hinrichten. Ein Verrat, der den Beginn der spanischen Herrschaft über Peru einläutete.
Nach diesem Bruch zieht Pizarro weiter in die damalige Hauptstadt Cusco. Die Stadt wird ihm und seinem Mitstreiter Diego de Almagro in einem Moment tiefster Unsicherheit fast ohne Widerstand übergeben. Erst später kommt es zu Rückeroberungsversuchen – unter anderem 1535 –, die scheitern und eine massive Zerstörung Cuscos nach sich ziehen.
Am 18. Januar 1535 gründet Pizarro Lima. Doch die Machtkämpfe enden nicht: Nach dem Bruch mit Almagro lässt Pizarro seinen einstigen Verbündeten 1538 hinrichten. Die späte Konsequenz dieser Eskalation holt ihn selbst ein: Am 26. Juni 1541 wird Pizarro in seinem Palast in Lima gewaltsam getötet. Die Geschichte Perus ist – wie so viele Landesgeschichten – auch eine Geschichte von Bündnissen, Verrat und dem Preis der Macht.
Das Vizekönigreich Peru
1542 riefen die Spanier das Vizekönigreich Peru aus und bestimmten Lima zur Hauptstadt. Es umfasste zunächst riesige Gebiete, die weit über das heutige Peru hinausreichten: Teile der heutigen Staaten Ecuador, Kolumbien, Venezuela und Bolivien gehörten ebenso dazu wie Regionen, die später zu Chile, Argentinien und Paraguay wurden. Der letzte Inka-Herrscher, Túpac Amaru, wurde 1572 besiegt und hingerichtet.
Bis ins 18. Jahrhundert hinein beherrschte das Vizekönigreich große Teile Südamerikas. Für die indigene Bevölkerung waren diese Jahrhunderte verheerend: Viele Menschen wurden versklavt, verdrängt oder starben durch Zwangsarbeit und Krankheit. Gleichzeitig wurde Lima zum wichtigsten Handelszentrum der Region – nicht zuletzt durch den Abbau von Silber und dem immer stärker nachgefragten Quecksilber, das für die Verhüttung eine zentrale Rolle spielte.
Als sich Rohstoffströme verlagerten und die Verwaltung eines so riesigen Gebietes immer schwieriger wurde, entstanden neue spanische Vizekönigreiche: 1717 wurde Neugranada gegründet (u. a. auf Gebieten des heutigen Kolumbiens, Panamas und Venezuelas), 1776 folgte La Plata, das sich über große Teile des Südens erstreckte.
Perus Unabhängigkeit
Kurz nach diesen Umbrüchen kam es 1780 zu einem großen Aufstand gegen Kolonialherren und Großgrundbesitzer. Indigene Bauern und Einwohner forderten mehr Rechte – und mehr Würde im eigenen Land. Angeführt wurde die Bewegung von José Gabriel Condorcanqui, bekannt als Túpac Amaru II. Der Aufstand wurde niedergeschlagen, doch er wurde zum Signal: Widerstand war möglich – und er blieb nicht der letzte.
Im Jahr 1824 wurden die Spanier endgültig aus Peru verdrängt. Politische Entwicklungen und Interessen im ganzen Kontinent spielten dabei eine Rolle – auch Nachbarländer wie Chile und Argentinien hatten großes Interesse an einem freien, stabilen Peru. Ein Jahr später folgten neue staatliche Ordnungen in der Region – und die lange Kolonialzeit war offiziell vorbei.
1845 stabilisierte sich die innenpolitische Lage zunehmend. Unter General Ramón Castilla wurde die Sklaverei schließlich endgültig abgeschafft. Gleichzeitig wurden – als Ersatz für fehlende Arbeitskräfte – zehntausende Arbeiter aus Asien ins Land geholt, ein Kapitel, das Peru bis heute gesellschaftlich geprägt hat.
Castilla stärkte außerdem den Handel mit Guano und Salpeter, was die Wirtschaft zeitweise deutlich ankurbelte. Doch die Geschichte blieb konfliktreich: Besonders fatal wirkte sich der Salpeterkrieg (1879–1883) aus. Peru verlor die rohstoffreichen Provinzen Arica und Tarapacá an Chile; auch Tacna blieb bis 1929 unter chilenischer Kontrolle. Die wirtschaftlichen Folgen waren hart – und öffneten die Tür dafür, dass immer mehr Unternehmen und Betriebe von ausländischen Investoren übernommen wurden.
Vom 20. Jahrhundert in die Gegenwart
Demokratie, Sozialismus und Guerillakämpfe
Unter den verschiedenen Regierungen war auch die 1927 in Paris gegründete APRA (Alianza Popular Revolucionaria Americana). Bei der APRA handelte es sich um eine sozialistische Bewegung für soziale Gerechtigkeit. Ihr erster Präsident Haya de la Torre gewann 1931 die Wahl. Kurz darauf jedoch wurde die Partei verboten und der Präsident kam für 15 Monate ins Gefängnis. Erst im Jahr 1945 wurde die APRA erneut legalisiert, um dann 1956 wieder verboten zu werden.
Im Jahr 1933 wurde in Peru eine demokratische Verfassung eingeführt. Hierdurch war es auch möglich, zum ersten Mal in der Geschichte des Landes freie Wahlen durchzuführen. Diese fanden im Jahr 1963 statt und vielen zugunsten des Linken Fernando Belaunde Terry aus. Er führte auch Maßnahmen wie die erneute Privatisierung von industriellen Betrieben und eine Öffnung des peruanischen Marktes ein.
Als Anfang der 80er Jahre die Terroranschläge der Kommunisten im Land zunahmen, musste seitens des Staatsoberhaupts im Mai 1983 der Ausnahmezustand über das Land verhängt werden.
Nach allen denkbaren Höhen und Tiefen kam die APRA unter dem Präsidenten Alan Garcia 1985 an die Macht. Die erste Präsidentschaft von Alan Garcia stand allerdings unter keinem guten Stern. Sie war geprägt von einer Schuldenpolitik, Inflation, Unruhen und Guerillakämpfen, letztere vor allem verantwortet durch den „Leuchtenden Pfad“, welcher in der Europäischen Union immer noch als Terrorgruppe gilt. Nach nur fünf Jahren endete die erste Präsidentschaft Garcias 1990 mit einem wirtschaftlichen Niedergang Perus.
Ein Land mit starkem politischen Willen
Setzen wir unserer kleine Zeitreise nun im aktuellen Jahrhundert fort. Im Mai 2008 tat sich Peru mit elf weiteren unabhängigen Staaten Südamerikas zusammen und gründete die ‚Union Südamerikanischer Nationen‘, genannt „Unasur“. Hierbei nahm man sich die Europäische Union zum Vorbild.
Auf diese bedeutende Gründung folgte eine ebenfalls weitreichende politische Vereinbarung, als Peru 2010 mit der EU ein Freihandelsabkommen abschloss. 2009, ein Jahr zuvor, war bereits ein Gesetz zur umfänglicheren Nutzung natürlicher Ressourcen beschlossen worden. Diese Verschiebungen in Richtung forciertem Wirtschaftswachstum und Naturausbeutung forderten deutliche Proteste sowie einen Ausnahmezustand in mehreren nordöstlichen Regionen des Landes heraus. Der Zustand dauerte ganze zwei Monate an. Als auch noch blutige Auseinandersetzungen hinzukamen, zog die Regierung die umstrittenen Gesetze zurück.
Heute, ein halbes Jahrzehnt später, liegt die Regierung des Landes Peru in den Händen des links-nationalen Politikers Ollanta Humala, welcher 2011 zum Präsidenten gewählt wurde.
Nun haben wir einen kurzen Streifzug durch die Geschichte Perus unternommen. Doch dieses Land hat noch so viel mehr zu bieten als seine eigene Historie. Lassen Sie sich überzeugen, bei unserer nächsten Reise in dieses Land – auch bekannt als das sagenhafte Reich der Inka.

